Mechthild Rawert (MdB) zu Besuch in der Kita Crellestraße


Das Thema „Bildung“ und „Kitaplätze“ ist überall aktuell, auf Landes- und auf Bundesebene. Auch die Bundestagsabgeordneten werden häufig darauf angesprochen. Um sich selbst ein Bild von der Situation machen zu können, bat die örtliche Bundestagsabgeordnete Mechthild Rawert (SPD) darum, sich eine Einrichtung ansehen zu können.

Am 20. September 2017, Weltkindertag, besuchte sie die Kita Crellestraße in Schöneberg. Nach einer kurzen Begrüßung durch die Pädagogische Geschäftsleiterin, Martina Castello, und das Kita-Leitungsteam, Gerlinde Grube und Birgit Leuschner, begann das Treffen mit einer Besichtigungstour durch das mehrstöckige Gebäude.

Ungewöhnlich für Besuch von Politiker*innen: Frau Rawert kam allein. Dies kam dem Wunsch der Kita entgegen: Das Kita-Jahr hat gerade begonnen, es ist Eingewöhnungszeit, und je unauffälliger die Führung verläuft, desto weniger „stört“ es den noch frischen Alltag der Kinder.

Die Führung startete – in Hausschuhen, denn hier wird gekrabbelt – in der Krippe, die „Robben“, „Schildkröten“ und „Pinguine“ waren gerade beim Frühstück. Das Leitungsteam berichtete von der Struktur der Kita, der Zusammensetzung der Elternschaft, dem Tagesablauf. Frau Rawert erkundigte sich nach der Personalsituation. Frau Castello berichtete, dass dieser Träger keinen Fachkräftemangel und nur wenig offene Stellen hat, wie z.B. in der Kita Crellestraße. Jedoch machen die Ausfallzeiten (Urlaub, Fortbildungen, Krankheiten) des vorhandenen Personals ca. 20% aus, was in der Praxis dann doch zu Engpässen führt. Gerade Fortbildungen sind dem Träger wichtig: Frau Grube berichtete, dass jede/r Beschäftigte der Kita mindestens einmal im Jahr eine pädagogische Fortbildung besucht. Diese seien nicht nur vom Inhalt wichtig, sondern auch, um Kontakt zu Kollegen auch aus anderen Einrichtungen zu erhalten und sich dadurch fachlich austauschen zu können.

Frau Castello äußerte sich erfreut über die Personalverbesserungen der letzten Zeit und über die Verbesserungen, die noch folgen werden. Bis dato konnten wir alle Personalschlüssel-Verbesserungen realisieren: Für 2016/2017 waren das für die Kindertagesstätten Berlin Süd-West 31,5 Stellen.

Eine Besonderheit des Hauses Crellestraße liegt unter anderem in ihrer Kooperation mit dem „Betreuten Wohnen“. Jedes Jahr werden Krippen- sowie Kindergartenplätze vorgehalten für junge Mütter, die in dem direkt benachbarten Gebäude wohnen, damit diese zur Schule gehen oder ihre Ausbildung abschließen können.

Die besondere Lage der Kita, direkt an der S-Bahn-Strecke, inspirierte zu der Form des Neubaus, der einem S-Bahn-Waggon nachempfunden wurde. Frau Rawert, Mitglied des Ausschusses für Gesundheit, erkundigte sich nach S-Bahn-bedingten Lärmproblemen; diese Geräusche stellen jedoch nach Auskunft des Leitungsteams keine Lärmbelästigung dar. Frau Castello berichtet Frau Rawert von dem Träger-Projekt „Gesunde Kita“, das in diesem Jahr fortgesetzt werden soll und bei dem es mal nicht um die Gesundheit der Kinder, sondern um die der Beschäftigten geht. Die Kita Crellestraße hat sich hier Kommunikation und Resilienz als Schwerpunkte gewählt – die Wichtigkeit der Thematik Resilienz wird von Frau Rawert sehr begrüßt.

Besichtigt wurden die weiteren Gruppenräume, Garderoben und Waschräume, sowie die Turnhalle, die auch als Bühne für Theateraufführungen dient. Es ist früh und noch relativ ruhig und leer in der Kita. Nach und nach werden die Kinder gebracht. Einige sind neugierig über die Besucherin, andere lassen sich gar nicht im Spiel stören. Viktor zeigt ihr sein aus Bausteinen selbstgebautes Schiff, mit dem er am liebsten nach Südafrika fahren möchte.

Nach einer Besichtigung des Außengeländes, das letztes Jahr teilweise erneuert wurde, hat das Leitungsteam die Gelegenheit, Fragen zu stellen.

Hierbei wurde zunächst das Bundes-Qualitätsgesetz angesprochen, dass ursprünglich geplant war und für einheitliche Standards in Kitas sorgen sollte. Frau Rawert betonte die Wichtigkeit durchgängiger Standards für das gesamte Bundesgebiet, die Klärung der Fragen, was der Bund tun kann, damit er verstärkt fördern und finanzieren kann – dies ist aktuell Ländersache. Wichtig sei, das Kindeswohl im Grundgesetz zu verankern – damit wäre auch der Bund stärker gefordert, sich für das Wohl der Kinder einzusetzen. Frau Grube berichtet in diesem Zusammenhang von den geplanten Fachtagen zum Thema Kinderrechte und Partizipation und Kinderkonferenzen. Frau Castello berichtet, dass es am Ende des Projekts, an dem alle 37 Kitas des Eigenbetriebs teilnehmen, ein individuelles Beteiligungskonzept für jede einzelne Kita stehen wird.

Die zweite Frage an die Bundestagsabgeordnete zielt speziell auf den Erzieherberuf ab: Wie möchte sie sich dafür einsetzen, damit der Beruf als „Mangelberuf“ anerkannt und besser bewertet wird? Frau Rawert erklärt, sich sehr für die soziale Aufwertung personenorientierter Dienstleistungsberufe einzusetzen. Wie auch im Pflegebereich muss daraus ein „Lebensberuf“ werden, den man von der Ausbildung bis zur Regelaltersgrenze durchführen kann.

Zum Fachkräftemangel hat Frau Rawert auch keine Lösung. Dieses Problem würde größer, nicht kleiner, auch im Pflegebereich. Hier sei wichtig, alle Ressourcen auszuschöpfen.

Am Ende des Gesprächs bleibt ein Versprechen: Frau Rawert wird sich dafür einsetzen, die Leistungen von Kitas öffentlicher zu machen, damit mehr anerkannt wird, wie wichtig die Kita als vorschulische Bildungseinrichtung ist. Für sie ist klar: Nur mit der Kita funktioniert die Verknüpfung von Familie und Beruf.

Text und Fotos: Karen Mancke

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